
Ich lese viel, ich sehe auch einiges an Serien und ich spiele natürlich viel. Alles nicht unbedingt Beschäftigungen, die dazu ausgelegt sind viel darüber zu sprechen, denn ganz ehrlich: Für die Diskusion in Foren fehlt mir die Zeit und mein privates Umfeld würde auf solche Diskussionen eher gelangweilt reagieren… aber irgendwie möchte ich die Gedanken zu gewisen Themen gerne loswerden und deswegen fangen wir heute mal der neuen Rubrik [Gedanken] an – über das Thema, das mich zur zeit am meisten beschäftigt: Die Frage “Warum ist Game of Thrones so verdammt gut?”
Beginnen wir mit den Büchern: Ich bin mittlerweile kurz vor dem Ende des siebten Buches und mus sagen, dass ich kaum eine Saga gelesen habe, die zum Einen so detailliert bescheibt, so lebendige Bilder zeichnet ( und sich auch die Zeit dafür nimmt) und zum Anderen so lebensechte Charaktere zeichnet, in die man sich hineinleben kann, egal ob es die “Guten” oder die “Bösen” sind (nicht, dass es so etwas wie gut oder Böse geben würde, da die Welt von Game of Thrones sehr grauschattiert ist).
Ich will hier nicht großartig rumspoilern, aber die Handlung sowohl der Bücher als auch der Serie von HBO ist spnnend, vielschichtig und durch die verschiedenen Erzählperspektiven nicht nur unterhaltsam zu lesen/ anzusehen, sondern regt auch durchaus zum nachdenken an. Oft bin ich nach einem Kapitel kurz dagesessen, habe kurze Passagen noch einmal gelesen und versucht auch das, was zwischen den Zeilen steht, für mich zu erfassen. Denn wichtige Sachverhalte werden manchmal auch nur kurz angerissen und gerade die Gespräche der verschiedenen Ratsmitglieder sind voll von Zweideutigkeiten.
Kommen wir kurz zu den Charakteren… Wer die Bücher nicht gelesen hat, sondern nur die erste Saffel der Serie gesehen hat, wird vermutlich überrascht sein, wie schnell auch wichtige Hauptcharaktere sterben bzw. ersetzt werden. Anfangs unwichtige Personen können innerhalb von Minuten einen komplett neuen Status einnehmen und ganz ehrlich: Hätte ich nach dem ersten Band der Bücher oder der ersten Folge der Serie mit mir selber Wetten abgeschlossen, wer am Ende noch dabei ist bzw. einen wichtigen Part hat, hätte ich gnadenlos verloren. Ebenso interessant ist es, wie gut die Charakterentwicklung in Wort und Bild mich mitgenommen hat – als Beispiel möchte ich gerne meine Lieblingscharaktere beschreiben – Achtung, hier kann und muss es SPOILER geben:
Daenerys “Stormborn” Tagaryen – Daenerys ist mein absoluter Lieblingscharakter, denn das junge, ängstliche Mädchen, dass man anfangs kennenlernt entwickelt sich schnell unter dem Einfluss von Khal Drogo und den Dotraki zu einer starken Frau, die (noch?) nicht daran zerbricht, dass sie sich niemals um alle kümmern kann, die ihr untertan sind. Gerade in der Serie ist die Wandlung sehr gut festgehalten und der schmale Pfad zwischen Wahnsinn und wahrer Herrschaft, den jeder Tagaryen beschreitet, kann auch ihr zum Verhängniss werden.
Eine andere, interessante Wandlung nimmt mit Tyrion Lennister ihren Lauf. Lernt man Tyrion zuerst als zynischen, verhurten Trunkenbold kennen versucht die Serie schnell Sympathien aufzubauen. Gerade als Bastard seines Hauses ist Tyrion ein (Halb-) Mann, der versucht mit seinem Verstand weiter zu kommen – seinen Vater kann er es niemals recht machen und irgendwann merkt selbst Tyrion, dass Blut nicht immer dicker ist als Wasser. Hier sind die Bücher wiederrum wesentlich ergiebiger als die Serie und gerade die Gedanken von Tyrion zu lesen helfen viel dabei, die Handlung rund um die Intrigen der Ratsmitglieder zu verstehen. Das richtige Highlight seines Charakters kommt in den Büchern 5 & 6 zu Tragen – aber so viel will ich dann doch nicht spoilern.
Als drittes und letztes möchte ich dann noch Arya Starck nennen: Arya muss einen sehr harten und steinigen Weg gehen. Ist es für kleine Mädchen normalerweise relativ klar, wie ihr Leben als junge Lady auszusehen hat, ist Arya´s Leben wesentlich härter: Nachdem sie am Ende der ersten Staffel der Serie einen harten Schicksalsschlag hinnehmen mus ist der rest der Geschichte eine Reise voller Gefahren, Entbehrungen und Härte, die aber dabei helfen aus dem kleinen Mädchen keine verzogene Lady zu machen, sondern vielmehr das vielleicht stärkste (noch lebende) Mitglied ihres Hauses.
Aber nicht nur die Charaktere sondern auch die Bildsprache ist es, die vor allem die Serie sehr sehenswert macht. So sind die Schauplätze mehr als gut gewählt und vor allem die Stimmung wird durch den Einsatz der Filter gut unterstützt: Ist man mit Daenerys im Exil überwiegt ein helles und hartes Licht, dass die Härte von Dany´s Aufgabe gut zum Vorschein bringt – in Westeros sehen wir eher ein standardmässiges Mittelaltr- Setting, dass versucht, so viel von der Buchvorlage mitzunehmen, wie es in der bechränkten Zeit nur geht. Dass dabei auch Gewalt und Sex nicht zu kurz kommen (dürfen) ist klar: Denn im “Spiel der Throne” wird nicht nur mit Intrigen gekäpft, sondern auch mit “Macht durch Sex” und “Macht durch Dominaz”. In Game of Thrones wird gekämpft, gefoltert, gehurt und geliebt und das in einer Explizitheit, die imUS- TV durchaus nicht alltäglich ist.
Bei so einer umfangreichen Romanvorlage fragt man sich unweigerlich, wohin die reise denn gehen wird, wo am Ende alle offenen Fragen zusammen führen und ob es überhaupt ein “Ende” gibt, denn wann ist es denn zu Ende? Welchen König will man am Ende auf dem Thron sehen, welche Charaktere werden am Ende ihre Entwicklung abgeschlossen haben? Und (ein bisschen Spoiler): Wird es am Ende einen Konflikt geben, der viel größer ist, als der Krieg um dem Thron?