Gone Home – Ein Fazit

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Gone Home ist ein Spiel über das Leben. Gone Home ist kein Spiel.

Diese zwei Sätze mögen sehr widersprüchlich sein, stimmen aber für das Meisterwerk der Entwickler The Fullbright Company überein. Der Einstieg ist relativ simpel: Katie kommt nach einem Jahr in Europa im Jahr 1995 nach Hause zurück. Ein Zuhause, dass sie noch nicht kennt, da ihre Familie in diesem Jahr übersiedelt ist. Niemand ist zu Hause und so muss man durch das Erkunden der Räume und Lesen von diversen Nachrichten, Tagebucheinträgen und dem Deuten von verschiedenen Gegenständen langsam aber sicher ein Puzzle zusammen setzen, das weitaus größer ist, als man anfangs ahnt.

Alles weitere ist Spoiler, der definitiv nur für Menschen gedacht ist, die dieses Spiel schon gespielt haben, oder es niemals spielen wollen.

Wir finden an der Tür eine Nachricht von unserer Schwester Sam, die uns beschwört unseren Eltern nichts zu sagen und dass es ihr leid tut. Unsere Eltern, Jan und Terry, sind ebenfalls nicht zu Hause und so beginnt unsere Odyssee durch leere Räume.

Wir erfahren von den Schwierigkeiten, die unsere Schwester Sam beim Schulbeginn hatte, wie sie aber doch eine Freundin gefunden hat – Lonny – mit der sie sich gut versteht. Nach und nach hinterlässt uns Sam eine Geschichte, die uns erzählt, wie sie Gefühle für Lonny entwickelt, wie die beiden ein geheimes Liebespaar werden und wie diese große Liebe schließlich daran zu scheitern droht, weil Lonny ihren Militärdienst antreten möchte.

Diese offensichtliche, große Story Line ist aber nicht „der“ Hook in diesem Spiel. In nicht so offenen Worten, sondern vielmehr mit Bildern versucht Gone Home uns auf eine andere, versteckte Story zu bringen, die genauso, wenn nicht noch weitaus dramatischer ist. Unser Vater Terry ist ein erfolgloser Autor, der 2 verrückte Romane über eine fiktive Rettung des Präsidenten JFK im November 1963 geschrieben hat. Seinen Frust über den Misserfolg versucht der Vater mit Alkohol zu ertränken, was zu Eheproblemen führt. Unsere Mutter Jan ist in der Zwischenzeit hin und hergerissen, da ein neuer Arbeitskollege mit ihr flirtet und anscheinend geht sie auf diese versuche auch ein. Von diesem Problemen beschäftigt bekommen die Eltern wenig von der Verzweiflung und Unsicherheit von Sam mit, die anfangs mit den Gefühlen für Lonny nicht umgehen kann, später durch deren bevorstehenden Weggang verzweifelt ist und sich niemandem anvertrauen kann.

Zusammen mit Lonny versucht Sam gleichzeitig das „Geheimnis“ des Hauses zu lüften, denn ihr Onkel Oscar, von dem sie es geerbt haben, war anscheinend auch nicht ganz „sauber“. So setzt sich nach und nach ein Bild zusammen, das wenn es erst einmal in allen Facetten gesehen wird, faszinierend und schrecklich zugleich ist:

Onkel Oscar hat unseren Vater Terry an Thanksgiving 1963 sexuell missbraucht. Unser Vater Terry versuchte das Ganze in seinen Büchern zu verarbeiten, in denen er eine Story Line entwirft, in der ein Held in die Vergangenheit (November 1963 – JFK starb in der realen Welt allerdings vorher) reist und JFK (bzw. Terry) rettet. Oscar musste sein Geschäft, in dem auch viele Kinder verkehrten schließen, als Gerüchte aufkamen, die seine Zuneigung zu Jungen belegten. So wurde auch Oscars Haus im „Volksmund“ zu einem Spooky House. Nach seinem (absichtlichen?) Tod vererbte Oscar aus Schuld das Haus seinem Neffen Terry, der hier, am Ort seines Missbrauchs wieder diese alten Gefühle entdeckte. Als unsere Schwester Sam dann schließlich ihre lesbischen Gefühle für Lonny beichtet, ist die homophobe Reaktion des Vaters, mit der er Sam verschreckt somit komplett verständlich.

Am Ende geht die Geschichte allerdings anders – positiver – aus, als erwartet: Der Arbeitskollege der Mutter heiratet eine andere und Jan muss sich somit nicht weiter dafür entscheiden ihre Ehe zu zerstören. Vater Terry bekommt das Angebot den Buchzyklus abzuschließen und hat somit die Chance den Missbrauch in Form des Schreibens aufzuarbeiten. Gemeinsam beschließen die beiden schließlich ihre Ehe zu retten.

Lonny hält die Trennung von Sam nicht aus und ruft sie an, um mit ihr „durchzubrennen“. Sam durchwühlt das ganze Haus, nimmt alle Wertsachen und ihr Auto und beginnt mit Lonny einen neuen Lebensabschnitt irgendwo in Amerika.

Und Katie? Katie steht nach einem Jahr in Europa vor dem Trümmerhaufen ihrer Familie und hofft, dass alles wieder gut wird.

 

Gone Home erzählt eine gewaltige Geschichte mit subtilen Mitteln und ist mit das Beste, was ich seit langer Zeit gespielt habe.

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2 Kommentare

  1. Klingt sehr interessant. Was kostet das ganze? Werde ich bei Gelegenheit mal ausprobieren.

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  2. Gibt es z.B. auf Steam und kostet stolze 18€ – Zahlt sich meiner Meinung nach aber trotzdem aus.

    Antwort

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