Kinder und Computer

Zur Zeit darf ich mir öfters Mal Diskussionen anhören und lesen, in denen Eltern sich gegenseitig beschimpfen, totargumentieren und im späteren Verlauf beleidigen und dabei geht es um das Thema „Was darf mein Kind am Computer?“

Es gibt nicht viele Themen bei denen ich mir in der Kindererziehung eine Meinung erlaube, aber wenn es um Gaming, Technik und Co geht, muss ich als Technikfreak, Gamer und Vater mitreden. Es gibt so viele Meinungen, Studien und Berichte, dass man kaum weiß, wo man beginnen soll. Vielleicht erst mal bei der Grundsatzfrage:

1. Darf mein (Klein-)Kind Computer benutzen?

Viele Erziehungsratgeber und Eltern vertreten die Meinung, dass ein Kind auf keinen Fall an den Computer soll bzw. wenn dann überhaupt erst so spät wie möglich. Hier werden eine frühe „Sucht“, das Wegfallen von Outdoor- Spielen und das Verkümmern der Fantasy als Argumente ins Feld geführt. Spannend ist, dass diese Ansicht hauptsächlich von Menschen geäußert wird, die selber nicht technikafin sind, die den Computer evtl. für die Arbeit benutzen müssen und privat fürs Email schreiben, aber sich sonst kaum mit der Thematik befassen. Das Internet ist sowieso böse und voller Sex, Gewalt und anderem Müll und Computerspiele sind sowieso keine baruchbare Beschäftigung.

Wer mich auch nur ein wenig kennt,, kennt auch meine Ansicht dazu: Ja, ein Kind soll an den PC bzw. mit anderen technischen Geräten vertraut sein. Wenn ich sehe, wie meine kleine Tochter das IPad bedient (und zwar besser als so mancher Erwachsener es tun würde), dann weiß ich, dass sie in wenigen Jahren genauso intuitiv und spielerisch mit dem PC umgehen kann. Und gerade in der heutigen Zeit, in der ein Umgang mit Technik nicht nur privat, sondern vor allem im Job essentiell ist, finde ich es mehr als in Ordnung, wenn mein Kind die Angst bzw. den Respekt vor komplizierter Technik verliert und ein Vertrauen aufbaut, dass es auch mit neuen Geräten und Programmen zurecht kommen kann.

2. Mein Kind darf an den PC, aber was darf es denn überhaupt?

Gerade bei Kindern gilt: Nicht unbeaufsichtigt am PC lassen! Und mit dieser Aussage meine ich nicht, dass ein Kind etwas kaputt machen könnte, sondern dass ein Computer (und die Programme/Spiele darauf) nicht unkommentiert bleiben sollen. Wenn ich mein Kind ein Video schauen lasse, dann sehe ich es mir das erste Mal auf jeden Fall mit ihm gemeinsam an, um zu sehen, ob es Fragen gibt, ob etwas erklärt werden muss bzw. ob es überhaupt für das Kind geeignet ist! Und in noch größerem Maß muss das auch für Spiele und das Internet gelten. Ich für meinen Teil kenne das Internet ziemlich gut, ich kenne die informativen seiten, die Nachrichten Seiten, die hilfreicen Foren und die anderen netten Dinge, die das Internet so brauchbar und wichtig machen. Ich kenne aber auch die Seiten, die für Kinder (und ehrlich gesagt auch Erwachsene ) verstörend und für die Technik schädlich sein können.Natürlich kann man Sicherheitssoftware installieren, die es in der Theorie für ein Kind unmöglich machen sollte auf die „bösen“ Seiten zu gelangen, aber gerade Kinder erweisen sich im Umgehen solcher Protokolle meistens als sehr clever.

Ich bin also der Meinung: Ein Kind darf erst mal so ziemlich alles am Computer machen, was es will, aber nur mit den Eltern gemeinsam!

3. Darf mein Kind spielen?

Ein kleines Zitat aus einer Eltern- Community: „niemals!!! furchtbar wenn eltern ihre kinder vors i phone, tablet pc, spielkonsolen oder fernsehr setzen. man was ist blos aus der gesellschaft geworden. blos nicht mit den kindern selbst beschäftigen. furchtbar, absolutes no go, mein kind bekommt mein i phone nicht.“

Tja… Hier wird wenigstens noch ein komplettes Medienverbot für Kinder befürwortet, was ich sogar noch besser finde als Meinungen wie: „Nein, mein Kind darf nicht spielen! So einen Müll fange ich mir gar nicht an, dafür darf es ab und zu fernsehen…“ Wenn ich die Wahl habe, ob mein Kind liest, Videospiele spielt oder fern sieht, dann fällt fernsehen definitiv aus der Auswahl. Lesen und Spielen dagegen haben viele Gemeinsamkeiten, die es für mich durchaus brauchbar machen – Das Kind muss aktiv etwas machen, es braucht seine Fantasie und oft auch noch irgendeine Art von Problemlösungskompetenz, wohingegen es beim TV einfach nur konsumieren darf/muss.

Computerspiele sind für Kinder eine Freizeitbeschäftigung – eine unter vielen. Wenn man merkt, dass andere Beschäftigungen vernachlässigt werden (Outdoor Aktivitäten, Freunde, Sport etc.) dann kann man die Medienzeit ja beschränken. Solange man sich als Elternteil informiert und interessiert und so zumindest beurteilen kann, ob das, was das Kind spielt altersgerecht ist, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, ein Kind an PC oder Konsole spielen zu lassen, denn gerade beim Spielen (und bei den Problemen, die auftreten können) lernt man durchaus viel – auch über den Computer selbst.

4. Aber dabei lernt mein Kind nichts!

Neulich in der Arbeit kam ich zu einer Diskussion, in der sich ein Mitarbeiter darüber beschwert hat, dass das Kleinkind eines Verwandten oft am PC sitzt und „das bringt ja nichts, da wird der nur dumm davon!“ Dieser Mitarbeiter hat mich angefordert, um einen Netzwerkdrucker auf seinem PC zu „installieren“ und um das Java Update zu machen… Wieso glaube ich, dass dieses Kleinkind in wenigen Jahren solche Kleinigkeiten am PC selber machen kann, der Mitarbeiter aber bis an sein Lebensende nicht?

Natürlich lernen Kinder etwas: Den Umgang mit Technik, mit Software und mit ein bisschen Hilfe auch noch das Wichtigste: Medienkompetenz! Und das Beste ist: Sie haben im Normalfall auch noch Spaß dabei. Deswegen sage ich: Meine Tochter darf mit jedem Stückchen Technik für das sie sich in der Zukunft interessiert spielen. Sie darf an Konsole, Handheld und PC spielen, falls ihr das wichtig ist. Und im Gegensatz zu anderen Kindern wird sie lernen, wie man sich im Internet verhält, und dass man die allermeisten Probleme am PC mit Google und Ausprobieren selbst beheben kann. Unsere Kinder leben in einer Welt, in der man 24 Stunden am Tag erreichbar ist, in der man die meiste zeit des Tages mit irgendeinem Gadget online ist und in der in einem Telefon mehr Technik steckt als früher im Kontrollrechner der Mondlandung – wenn es da nicht sinnvoll ist, etwas von und mit Computern zu lernen, und wenn es nur heißt nicht dauerhaft von Spezialisten abhängig zu sein, dann weiß ich es auch nicht…

Väter…

Heute mal ein Thema abseits von Gaming: Ich habe seit über einem jahr eine kleine Tochter – und schon ein wenig länger lese ich im Internet zu dem Thema, denke darüber nach und beobachte Fremde und höre ihren Gesprächen zu… und stelle mir Fragen.

Es gibt so viele Väter, die anscheinend keine sein wollen oder können, und das finde ich traurig. Es gibt Männer, die verstecken sich hinter Ausreden wie „Ich kann das nicht!“ wenn es um sowas simples geht, wie eine vollgesch*** Windel zu wechseln. Es gibt Männer, die haben keine Zeit, obwohl es nichts wichtigeres gibt, als Zeit mit seinem Kind zu verbringen… Selbst in meinem Job mit 2 1/2 Tagen frei pro Woche und täglich 2 1/2 Stunden abends für meine Kleine komme ich mir wie ein schlechter Vater vor…

Es gibt Männer, die spielen nicht mal mit ihren Kindern, die kommen nach Hause und wollen „ihre Ruhe haben“, „wollen einen ordentlichen Haushalt, etwas zu Essen und dass meine Frau so ist wie vorher“… Ganz ehrlich: Geht´s noch? Ein Kind ist kein Hamster… Ein Kind ist ein Volltagesjob – und nicht nur für eine Person, sondern für Zwei. Es hat schon einen Sinn, dass ein Kind 2 Eltern hat… es braucht 2 Eltern. Und die Elter brauchen sich, damit sie nicht durchdrehen 🙂

An all die netten Väter da draussen, deren Aussagen ich in „- Zeichen gesetzt habe und die man in vielen Foren liest: Schämt euch! Oder bekommt keine Kinder!

Musste mal gesagt werden… *grummel*

Videospiel- Kultur

Es gibt ja schon seit vielen Jahren sehr viele Stimmen, die das Videospiel als gleichwertiges Kulturgut wie Bücher, Filme oder Theater sehen. Und mit jedem jahr werden es mehr – kein Wunder: Es gibt kaum jemanden unter 30, der nicht schon mal gespielt hat, für viele ist es eine ganz normale Tätigkeit im Alltag, wie auch Fernsehen oder Lesen.

Für mich ist jede Begegnung mit einem der Meilensteine der Videospiele etwas Besonderes, noch immer. Wenn ich an Tetris auf dem Gameboy denke, an die ersten Ego- Shooter auf dem PC (als man noch dachte die Grafik kann kaum realistischer werden), an epische Rollenspiele im Zeitalter von Playstation1, Nintendo 64 & Co oder wie jetzt an die ersten 3D Spiele, dann weiß ich, dass ich eine Erfahrung gemacht habe, die mit einem Kinobesuch von Casablanca oder dem Lesen eines Bestsellers zu vergleichen ist.

Die meisten Spieler werden zwar spielen, das aber kaum als Kunstwerk begreifen (wollen). Die Story in einem Videospiel, die grafische Umsetzung, die musikalische Untermalung, die Stimmung, das Setting… das aller verschmilzt bei einem guten Spiel zu einer fesselnden Erfahrung, die man nicht nur passiv erlebt, sondern die man aktiv mitbestimmen kann, was ein Spiel zu einem viel stärkeren trägermedium macht – wenn es mit Liebe erstellt worden ist.

Mittlerweile bin ich auch so weit, dass ich diese Erlebnisse erhalten möchte… Ich überlege, was die wichtigsten Spiele und Plattformen waren, welches Spiel ich gerne meiner Tochter zeigen möchte, was sie noch einmal erleben soll, um nicht sinnlos zu konsumieren, sondern wie ich überlegt und mit Freude, aber auch Respekt an das Medium Videospiel heranzugehen. Denn sie wird spielen, das steht außer Frage. Jedes Kind wird spielen, wie auch sonst in einer Zeit, in der die Möglichkeit, ein Videospiel auf einem MP3 Player, einem Taschenrechner, einem Telefon oder auf dem Fernseher wieder zu geben, zur Normalität geworden ist.

Und im Gegensatz zu anderen Eltern, die sich nicht darüm kümmern, was ihr Kind tut, wenn sie es vor der konsole oder dem TV parken, weiß ich, wie wichtig es ist, bei der Auswahl der Spiele aufuzupassen, auch mit einem Kind über das Erlebte zu sprechen und zu reflektieren, denn ein Spiel weckt mehr Emotionen als ein Film – was passiert, wenn man ein Kleinkind einen Horrorfilm ansehen lässt, kann sich ejder vorstellen: Schlaflose Nächte… Was aber passiert, wenn ein ebenso kleines Kind das selbe Erlebnis aktiv hat, zum Teil so einer Horrowelt wird oder sogar selbst diesen Horror in aktiver Rolle auslöst, in dem es  tötet… das möchte ich mir erst gar nicht vorstellen.

Wenn man also das Videospiel mit den anderen Medien gleich stellen will, dann müssen auch die selben Regeln gelten: Und für mich heisst das: Erst noch ein wenig weiter bei Ebay stöbern, um eine solide Grundlage zu schaffen – immerhin soll sich mein Kind später in einer Welt, in der das Videpspiel den Film im weltweiten Verkaufsumsatz abgelöst hat (und ja- das ist bereits passiert), zu Recht finden…