Lernkurve in Starcraft 2

Im Gegensatz zu vielen anderen Spielern habe ich massig Zeit meine Lernkurve in Starcraft 2 zu analysieren – das liegt daran, dass ich kaum Zeit habe länger zu spielen und so meistens nur auf 2 bis 3 Games am Abend komme, meistens zusammen ca. eine Stunde. So wie ich es bisher erlbet habe, durchlaufen Casual- Spieler einige Phasen:

1. Häh?

Kommt man nach der Kampagne ohne Vorwissen in den Multiplayer, dann hat man ein Problem: Das Spiel ist verdammt schnell. Man muss erst mal darauf gestossen werden, dass man Hotkeys benutzen sollte, dass es Build Orders gibt, an denen man sich anlehnen sollte, um einigermassen mithalten zu können und natürlich trifft man am Anfang auf viel Cheese- Play, das man lernen muss abzuwehren. Diese Phase dauert sicher je nach Begabung und Race einige Dutzend Spiele an, bevor es in Phase 2 geht.

2. Ich bin soooo toll!

Man hat jetzt einige Wins gesammelt, kann meistens Cheese Play abwehren und ist damit konfrontiert, auf einmal Lategame spielen zu müssen. Viel mehr Enheiten und Fähigkeiten, die man koordinieren muss, viel mehr APM, die notwendig sind um den Überblick zu erhalten. Der Spieler hat sich jetzt wahrscheinlich schon informiert, kennt grundlegende BO´s und weiss zumindest die Harcounter die er beherrschen sollte. Er hat vielleicht sogar gelernt wie wichtig das Makromanagement ist. Man gewinnt immer schön mehr Spiele, als man verliert und kommt irgendwann in höherer Gefilde der unteren Liga.

3. Es läuft…

Irgendwann kommt man dann an den Punkt, an dem man merkt: Normalerweise hätte ich das Spiel verloren, aber wieso gewinne ich es jetzt? Das ist der Punkt, an dem man intuitiv spielt. Man sieht einen Zerg, der bei 20 Supply keine Expansion hat und hackt blind in die Tasten um sofort Anti Air zu bekommen. Man schickt seinen Scout gegen einen Protoss ein paar Kurven weiter rum, wenn der Trashtalk macht und damit vl. von Cheese ablenken will. Man benutzt A- Click, Hotkeys und achtet auf Day[9]´s goldene Regeln. Man analysiert Replays und bricht sie nach 2 Minuten ab, weil man den Fehler sowieso schon im Spiel gemerkt hat…. kurz und gut: Man ist noch immer Casual Spieler, gehört aber zur „Oberliga“. Und so kommt irgendwann auch der Augenblick, in dem man in eine höhere Liga eingestuft wird. Und in dem der Ehrgeiz geweckt wird, weiterhin zu lernen und besser zu werden.

4. Vom Spiel zum Hobby

Und irgendwann erwischt man sich dann dabei Spaß daran zu haben Taktibesprechungen zu lesen, man hört Podcasts über SC2, sieht sich die Casts der Turniere am Abend an, lernt mit Day[9], man steckt viel Zeit in ein einziges Spiel und gehört somit einer Subkultur an. Herzlich willkommen bei den E- Sportlern 🙂

So… und jetzt nur noch ein paar hundert Spiele und ich könnte ein brauchbarer Spieler werden…

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Ist Wissen out?

Mal ganz ehrlich… Wer hat heute etwas gelernt? Freiwillig? Nein, keine Angst, wir sind nicht mehr in der Schule – aber genau das ist ja auch der springende Punkt! Die meiste Zeit unseres Lebens bis mindestens 18 Jahre (für alle Studenten natürlich weit länger) lernen wir. Täglich. Und damit meine ich nicht, dass man lernt, dass Rapid besser ist als Austria oder dass man Mango nicht mag, sondern so etwas wie: Wer ist Pythagoras? Wieviel Planeten hat unser Sonnensystem? (Im Übrigen: Das sind jetzt 8, nicht mehr 9, also bringt euren Kindern nichts Falsches bei).

Wie viele „Erwachsene“ gibt es denn, die freiwillig etwas lernen? Ich für meinen Teil bekomme im Alltag immer wieder ungläubige Gesichter zu sehen, wenn ich erzähle: Hey, echt interessant: hast du gewusst, dass Alexander der Große erkannt hat, dass es nichts mehr zu erobern gab und deswegen sein Reich zusammengebrochen ist? Oder: Hmh… Helikopter können auch auf dem Kopf fliegen, eine Ente aber nicht. Oder auch: Also ich hab da gerade einen Artikel über Plattentektonik gelesen, der war wirklich spannend…

Danach meistens Schweigen, seltsame Blicke oder ein Witz – ich könnte es ja verstehen, würde ich über irgendwelches Nerd- Wissen reden, über irgendwelche Indie- Games philosophieren oder mathematische Beweise rezitieren. Ich habe so im Gefühl die Menschen sind froh, wenn sie nichts Neues mehr lernen müssen. Es interessiert auch kaum jemanden… immerhin gibt es so viele dinge, mit denen man sich täglich beschäftigen muss: Wie erstelle ich eine tolle Powerpoint- Präsentation für den Chef? Was koche ich am Abend? Oder man erzählt ich Geschichten vom Fortgehen am Abend, redet über Schrott- TV und die Schlagzeile des Tages.

Ist es denn eine Schande sich für Dinge zu interessieren? Zu hinterfragen wie die Welt funktioniert und was vor uns war? Oder einfach mal über den Tellerrand zu schauen? Ich meine: Es ist doch spannend, wenn man auf Wikipedia geht, auf zufälliger Artikel klickt und dann liest. (Heute bei mir z.B.: Deutsch – Neuguinea) Aber würde ich jetzt eine Umfrage machen und fragen: Hey Leute, soll ich euch etwas über die Geschichte von Deutsch Neuguinea erzählen? Es lohnt sich! – Wie viele positive Stimmen würde ich dann wohl hören? …….

Traurig… Auch ein Grund warum bei mir mit Sicherheit die geschriebenen Worte pro Tag die gesprochenen übertreffen. Und die gelesenen Worte sind ganz sicher mehr als die gehörten Worte… ich bin dann mal wieder lernen…

Lernen im Internet und in Spielen

Ehrlich gesagt: Ich habe weder in dr Schule noch an der FH gerne gelernt. Das Wissen, dass ich jetzt habe, ist zu einem großen Teil erst später hinzugekommen. Technik und PC Kenntnisse durch die Arbeit, Englisch durch Serien und Gaming und mein „Random Knowledge“ weil mich viele Dinge einfach interessieren und ich bereit bin, mir diese Fragen selbst zu beantworten.

Eigentlich schade, dass es so viele Menschen gibt, die im Internet nicht dass sehen, was es ist: Eine riesige Menge von Wissen! Mittlerweile wird jede noch so kleine Fachrichtung durch irgendeinen Spezialisten abgedeckt.

Ein sehr schönes Beispiel sind die Scienceblogs, bei dem auch mein Bruder ein mehr als lesenswertes und erfolgreiches Blog bearbeitet.Was im Gegensatz zu solchen wissenschaftlichen Blogs sicherlich jeder Internetnutzer zumindest dem Namen nach kennt, ist Wikipedia. Ich für meinen Teil nehme mir öfters die Zeit um auch mal einfach nur so auf Wikipedia zu stöbern, Links nachzugehen, die mich interessieren und so landet man auch schon mal auf der Seite für Steinzeit- Kulturen, der technischen Beschreibung eines Otto- Motors oder einem Künstler aus dem 16 Jahrhundert. Früher musste man sich umständlich Bücher kaufen oder ausleihen, um seinen Horiziont zu erweitern, heute darf(!) man das gratis und jederzeit tun. Ich will lernen Java zu programmieren? Dafür gibt es tolle kostenlose Online- Kurse. Ich möchte gerne etwas über Bildbearbeitung, PC- Netzwerke, Meeresbiologie, Psychoanalyse oder was auch immer wissen. Ich finde es online, meistes nur einen Klick entfernt… Wenn man bedenkt, in was für einer tollen Zeit wir leben, und wie viele Menschen trotzdem das Internet nur für Emails, Chat, Facebook und Pornos nutzen, dann wird schnell klar, wie sehr wir unsere Möglichkeiten vernachlässigen.

Eine weitere Art des „freiwilligen“ Lernens ist das Lernen durch sogenannte Lernspiele. Ich glaube nicht, dass es wirklich viele Kinder gibt, die gerne und freiwillig solche meist schlecht programmierte  Software benutzen, andererseits kann das wirklich eine Möglichkeit sein, Kindern etwas beizubringen. Ich für meinen Teil erinnere mich gerne an ein Spiel des deutschen Bundesumweltamts – Das Erbe.


„Guten Tag Herr von Bruch! Es tut mir sehr leid, den Tod ihres Onkels beklagen zu müssen“. Mit diesen Worten beginnt der Adventure-Klassiker des Umweltbundesamtes aus dem Jahre 1991.
Und, oh Wunder, erbt man als einziger Neffe des Doktors drei Millionen Mark (keine Teuros!), aber nur (oh ja, jetzt kommt das berühmte „aber“) wenn man seine ziemlich abgebröckelte Villa Bröckelstein wieder auf Vordermann bringt. Das wäre einfach, wenn der Dr. von und zu Bruch nicht so ein krasser Öko-Fuzzi gewesen wäre. So stellt man sich schnell einmal die Frage, ob denn nun „Federmat 3D Ultra Plus Extra 2000“ oder „Pur – superbequeme Weichschaummatraze“ als Schlafgelegenheit umweltgerechter ist. Und spätestens jetzt sollte man wissen, dass FCKW keine neue Modedroge ist, sondern ein Gemisch, welches der Ozonschicht schadet.
Nach maximal zwei Verstössen gegen das Parteiprogramm der Grünen hat sich dann dein Onkel aber endgültig im Grab umgedreht, und der Notar erklärt seinen letzten Willen als ungültig. Die Grafik dieses Werbespiels darf man mit seinen 256 Farben getrost für heutige Zeit als lachhaft bezeichnen, Sound ist schon gar keiner vorhanden. Trotzdem kann Das Erbe mindestens einen Nachmittag lang fesseln, denn solange braucht man sicherlich, um das Spiel definitiv fertigzubringen, schliesslich kann man à la „Mad TV“ noch seine Jugendliebe rumkriegen, damit das Glück perfekt ist.


Aber auch heute boomen Vokabeltrainer, Gehirnjogging, Mathematiktrainer und viele andere auf dem Nintendo DS (Alleine auf Amazon findet man 80 aktuelle Titel.) Aber vor allem auf dem PC gibt es eine nahezu unüberschaubare Menge dieser Lernsoftware, die mal gut, mal schlecht den Kindern helfen soll, ihr Wissen in verschiedenen Sparten zu verbessern. Aber auch für Jugendliche gibt es gute Lernspielkonzepte. Ich erinnere mich noch gut, dass es in der Schule immer ein Highlight war, wenn wir in den Computerraum durften, um Ökolopoly zu spielen.

Bei Ökolopoly (genaue Beschreibung findet sich z.B. hier) geht es im Grunde darum, ein Entwicklungs- bzw. Schwellenland durch politisch- wirtschaftliche Entscheidungen zu beeinflussen und so die Vernetzung der verschiedenen Teilbereiche der Umwelt, Technik, Wirtschaft und Politik kennen zu lernen.

Man sieht also: Sowohl mit und ohne Games ist es heutzutage für Kinder und erwachsene immer möglich, sich weiter zu bilden. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, ob und wie man dieses Angebot annimmt – Ich für meinen Teil freue mich in einer Welt des vernetzten Wissens zu leben, denn ich bin neugierig und freue mich darauf, immer mal wieder etwas Neues zu lernen.